Die Finanzbranche befindet sich in einem dynamischen Wandel. Technologische Innovationen, veränderte Kundenbedürfnisse und regulatorische Vorgaben prägen das Branchenumfeld und setzen Finanzinstitute unter Anpassungsdruck. 2025 stehen insbesondere drei Entwicklungen im Fokus: hybride Beratungsmodelle, regulatorische Neuerungen und Künstliche Intelligenz (KI).
Zum einen müssen Banken weiterhin die Balance zwischen digitaler und persönlicher Beratung finden. Während klassische Filialen zunehmend verschwinden, gewinnen mobile Beratungslösungen und hybride Serviceangebote an Bedeutung. Zum anderen soll die EU-Richtlinie Financial Data Access (FiDA) den Zugang zu Finanzdaten harmonisieren. Durch einheitliche gesetzliche Vorgaben wird der Finanzsektor transparenter, Innovationen werden gefördert, und der Wettbewerb intensiviert sich.
Das Veränderungspotenzial von KI im Bankwesen
Den größten Einfluss auf die Branche wird Expertinnen und Experten zufolge jedoch Künstliche Intelligenz (KI) haben. KI revolutioniert Prozesse, schafft neue Geschäftsmodelle und verändert die Interaktion zwischen Banken und ihrer Kundschaft grundlegend. Die McKinsey-Studie „The Economic Potential of Generative AI“ geht von einem branchenübergreifenden wirtschaftlichen Nutzen von 2,6 bis 4,4 Billionen US-Dollar pro Jahr aus. Besonders der Bankensektor dürfte erheblich profitieren: Die Studie prognostiziert ein mögliches Umsatzwachstum von 2,8 bis 4,8 Prozent, was einem zusätzlichen Ertrag von 200 bis 340 Milliarden US-Dollar pro Jahr entspricht. Damit wird der Einsatz generativer KI zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor in der Finanzbranche.
KI verändert die Art und Weise, wie Banken mit ihren Kundinnen und Kunden interagieren. Sie beschleunigt Prozesse, ermöglicht datengetriebene Entscheidungen und schafft ein personalisiertes Serviceerlebnis. Im Jahr 2025 ist KI für Bankkundinnen und -kunden kein abstrakter Begriff mehr, sondern wird zunehmend direkt erlebbar. Intelligente Chatbots ermöglichen eine schnellere Bearbeitung von Anfragen und entlasten Mitarbeitende, indem sie Routinefragen effizient beantworten. Bei der Kreditvergabe werden Bonitätsdaten mithilfe von KI in Echtzeit analysiert und so eine schnelle Entscheidungsfindung unterstützt. Auch in der Anlageberatung spielt KI eine wachsende Rolle. Mithilfe von Algorithmen können Banken personalisierte Anlageempfehlungen aussprechen, indem sie Fonds, Anleihen oder Aktien vorschlagen, die zu den individuellen Bedürfnissen und finanziellen Zielen der Kundschaft passen – vergleichbar mit Produktempfehlungen auf Online-Marktplätzen, allerdings deutlich komplexer und regulierter.
Menschen im Mittelpunkt der digitalen Transformation
Während erste KI-gestützte Systeme wie der S-KIPilot bereits in Sparkassen im Einsatz sind und weitere Finanzinstitute eigene Lösungen entwickeln, muss für 2025 ein besonderes Augenmerk darauf liegen, diese Technologien erfolgreich zu integrieren und optimal zu nutzen. Die Einführung KI-gestützter Systeme und Prozesse allein reicht jedoch nicht aus. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitenden auf die Neuerungen reagieren. Die Rogers' Adoption Curve beschreibt, wie Innovationen über die Zeit hinweg von verschiedenen Gruppen angenommen werden:
Innovators und Early Adopters sind technikaffine Nutzerinnen und Nutzer, die neuen Technologien positiv begegnen und neugierig sind, die Vorteile auszuprobieren. Sie sind vergleichsweise leicht zu überzeugen und können als positive Beispiele Kolleginnen und Kollegen oder andere Nutzende überzeugen. Die sogenannte Early und Late Majority dagegen können eher als Pragmatiker kategorisiert werden, die klare Vorteile erkennen müssen, bevor sie neue Technologien übernehmen. Skeptische und konservative Nutzerinnen und Nutzer dagegen sind erst spät oder gar nicht bereit, sich an neue Systeme wie ChatBots oder Online-Empfehlungen anzupassen.
Für Finanzinstitute ist es daher ratsam, das Verhalten ihrer Kundinnen und Kunden zu analysieren und den KI-Einsatz gezielt in den Gruppen der Innovators und Early Adopters auszurollen. Eine transparente Kommunikation über die Vorteile und die Sicherstellung paralleler Offline-Optionen – etwa durch persönliche Beratung in Filialen oder telefonischen Kundenservice – erleichtern eine schrittweise Akzeptanz. Langfristig können auch skeptische Nutzerinnen und Nutzer von den Vorzügen überzeugt werden, indem ihre Bedenken ernst genommen und alternative Lösungen angeboten werden.
Talentmanagement als Schlüssel zur erfolgreichen Transformation
Auch intern müssen Finanzinstitute darauf bedacht sein, Menschen bei der Digitalisierung in den Fokus zu rücken. Mitarbeitende sollten frühzeitig eingebunden, geschult und aktiv in den Wandel einbezogen werden. Denn neben der Implementierung neuer Technologien stehen Banken vor einer einem Mangel an Fachkräften. 60 % der Unternehmen sind besorgt wegen der schwierigen Personalsituation, insbesondere in den Bereichen Buchhaltung, Strategie und regulatorische Compliance (Robert Walters Gehaltsstudie 2025). Darüber hinaus gehen bis 2030 Schätzungen zufolge bis zu 30 % der Finanzexpertinnen und -experten in Rente. Gleichzeitig verlieren Finanz- und Buchhaltungsstudiengänge bei Universitätsabsolventen an Attraktivität, sodass weniger junge Nachwuchskräfte nachrücken.
Finanzinstitute sind also gut beraten, in ihre bestehenden Teams zu investieren und Qualifikationen dort gezielt aufzubauen. 73 % der Fachkräfte würden laut der Robert Walters Gehaltsstudie 2025 gerne an Weiterbildungsprogrammen im Bereich KI teilnehmen. Unternehmen können hier gezielt ansetzen, um interne Kompetenzen zu stärken und sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Neben traditionellen Entwicklungsprogrammen sind praxisnahe Schulungen zur Nutzung neuer KI-Tools essenziell, um die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten. Finanzinstitute können auch von der Rogers' Adoption Curve lernen: Während Innovators und Early Adopters sofort bereit sind, neue Technologien einzusetzen, brauchen viele Mitarbeitende eine klare Strategie und Schulung, um sich auf den Wandel einzulassen. Unternehmen, die diesen Prozess aktiv begleiten, sichern sich langfristig Wettbewerbsvorteile.
Doch interne Qualifikation allein reicht nicht aus. Finanzinstitute sollten auch auf die Gewinnung neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen setzen – gerade in den Bereichen Strategie, IT und Compliance, die die kontinuierliche und strategische Implementierung von KI in Finanzinstituten vorantreiben müssen. Aber auch Marketing- und Kommunikationsspezialistinnen und -spezialisten sind gefragt, um Mitarbeitenden sowie Kundinnen und Kunden leicht verständliche, gut durchdachte Informationen zu neuen Systemen und Abläufen darbieten zu können. Darüber hinaus spielt eine gut besetze HR-Abteilung eine entscheidende Rolle bei der Implementierung von KI-gestützten Prozessen und Produkten – denn die Personalabteilung ist nicht nur Hauptansprechpartner für die Mitarbeitenden, sondern verantwortet auch das immer wichtiger werdende Feld der Mitarbeiterqualifizierung.
Trotz sinkender Studierendenzahlen in finanzrelevanten Studiengängen gibt es gute Chancen, Talente für die Finanzbranche zu gewinnen. Eine aktuelle Langzeitstudie von XING und Forsa zeigt: Die Wechselbereitschaft auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleibt hoch – 36 % der Erwerbstätigen sind offen für eine neue berufliche Herausforderung, bei den 18- bis 29-Jährigen sogar 48 %. Dennoch sind nur 7 % der Fachkräfte aktiv auf Jobsuche, während 81 % der Wechselwilligen auf das richtige Angebot warten, ohne selbst zu handeln. Für Banken bedeutet das: Klassische Stellenanzeigen reichen nicht aus. Eine starke Arbeitgebermarke, moderne Arbeitsmodelle und klare Entwicklungsperspektiven sind entscheidend, um attraktiv für junge Talente zu sein. Gleichzeitig werden proaktive Direktansprachen und ein gutes Netzwerk in der Bankenbranche immer wichtiger – nur so lassen sich die richtigen Fachkräfte gezielt erreichen und für die Branche begeistern. Spezialisierte Personalberater und -beraterinnen verfügen über einen guten Marktüberblick, ein weitreichendes Netzwerk in der Branche, ein Verständnis für die aktuellen Anforderungen an qualifizierte Mitarbeitende und können so einen entscheidenden Beitrag zur zukunftssicheren und bedarfsgerechten Planung des Personals leisten.
Fazit: Menschenzentrierte KI-Implementation als Wettbewerbsvorteil in der Finanzbranche
Künstliche Intelligenz wird 2025 nicht nur ein technologischer Fortschritt sein, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor in der Finanzbranche. Banken und Finanzdienstleister, die KI strategisch einsetzen, ihre Mitarbeitenden gezielt schulen und sich als attraktive Arbeitgeber positionieren, werden langfristig wettbewerbsfähig bleiben. Die erfolgreiche Integration von KI setzt voraus, dass sowohl technologische als auch menschliche Faktoren berücksichtigt werden – denn am Ende sind es die Menschen, die den digitalen Wandel gestalten und vorantreiben.